E-Zigaretten & Co – Fortschritt oder Rückschritt?
Ein Überblick zum aktuellen Stand der Debatte über neue Konsumformen von Nikotin
Lange Zeit war das Bild klar: Wer raucht, zündet sich eine Zigarette an. Heute dagegen hat Nikotinkonsum viele Gesichter – von E-Zigaretten über Vapes und erhitzten Tabak bis hin zu unscheinbaren Nikotinbeuteln, die diskret unter der Oberlippe verschwinden. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die wichtigsten modernen Nikotinprodukte, ihre Verbreitung, Risiken und den Mythos, dass sie beim Rauchstopp helfen würden.
E-Zigaretten bestehen im Wesentlichen aus drei Komponenten: einem Akku, einem Verdampfer und einer Nachfüllkammer (Tank oder Pod), die mit Flüssigkeit („Liquid“) befüllt ist. Beim Ziehen aktiviert der Akku ein Heizelement im Verdampfer, welches das Liquid – eine Mischung aus Propylenglykol, Glycerin, Aromastoffen und meist Nikotin – erhitzt. Dabei entsteht ein Aerosol (oft fälschlich als „Dampf“ bezeichnet), das inhaliert wird. Im Gegensatz zur herkömmlichen Zigarette findet keine Verbrennung, sondern eine Verdampfung statt.
Einweg-Vapes sind vorbefüllte E-Zigaretten, die nach dem Gebrauch vollständig entsorgt werden – inklusive der eingebauten Einmalbatterie. Sie funktionieren wie klassische E-Zigaretten: Beim Ziehen wird das Liquid verdampft und als Aerosol inhaliert. Besonders beliebt sind sie wegen ihrer süßen Aromen, einfachen Handhabung und geringen Kosten vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der massive Einsatz von Einmalbatterien macht sie jedoch auch zu einem wachsenden Umweltproblem.
Tabakerhitzer verbrennen den Tabak nicht. Statt einer Zigarette wird ein sogenannter Tabakstick (eine kleine, speziell verarbeitete Tabakeinheit) in das Gerät eingesetzt und auf etwa 350 °C erhitzt. Dabei entsteht ein nikotinhaltiger Dampf mit geringerem Geruch und weniger sichtbarem Rauch als bei einer herkömmlichen Zigarette. Allerdings bleiben immer noch sehr viele gesundheitsschädliche Stoffe enthalten.
Tabakerhitzer werden nicht als klassisches Tabakerzeugnis vermarktet, sondern als technologisch fortschrittliches Lifestyleprodukt mit einem edlen, hochwertigen Look. Diese erinnern mit ihrem Design an Apple-Produkte und es existieren spezielle Geschäfte, die ebenso wie Apple-Stores clean, minimalistisch und exklusiv inszeniert sind. Dadurch entsteht ein Eindruck von Eleganz, Stil und einer vermeintlich „gesünderen Wahl“, obwohl die Abhängigkeit und gesundheitlichen Gefahren weiterhin bestehen.
Snus ist ein orales Tabakprodukt, das unter der Oberlippe platziert wird und dort Nikotin freisetzt. Ursprünglich aus Skandinavien stammend, ist Snus in der EU (mit Ausnahme Schwedens) nicht zum Verkauf zugelassen. Stattdessen verbreiten sich zunehmend tabakfreie Nikotinbeutel („Nicotine Pouches“), die ähnlich konsumiert werden, aber synthetisches oder isoliertes Nikotin enthalten. Besonders unter jungen Erwachsenen gelten sie als diskret und modern. Sie sind oft mit fruchtigen Aromen versetzt und in stylischem Design verpackt. Trotz fehlender Verbrennung haben diese Produkte ein sehr hohes Abhängigkeitspotential und sind gesundheitlich nicht unbedenklich. So bewirkt der Konsum starke Reizungen der Mundschleimhaut und hat zudem Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System.
In Deutschland besteht seit 2021 ein Verkaufsverbot von Nikotinbeuteln. Grund ist der hohe Nikotingehalt, sowie die Einstufung als Lebensmittel. Nikotinbeutel können aber problemlos über das Internet bestellt bzw. gekauft werden. Der Verkauf dort ist nicht reguliert. Dieser „Reiz des Verbotenen“ lockt viele Jugendliche zusätzlich.
Zigaretten weisen mit einer Prävalenz von rund 30 % die größte Verbreitung in Deutschland auf und sind zugleich die toxischste Konsumform. Sie enthalten hohe Mengen gesundheitsschädlicher und krebserregender Substanzen, die insbesondere das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen.
E-Zigaretten und Vapes werden von etwa 2,5 % der Bevölkerung genutzt und gelten als weniger toxisch als Zigaretten, sind jedoch weiterhin mit gesundheitlichen Risiken verbunden.
Die Nutzung von Tabakerhitzern liegt bei rund 0,6 %. Ihre Toxizität ist geringer als die von Zigaretten, wird jedoch höher eingeschätzt als bei E-Zigaretten.
Für Nikotinbeutel liegen bislang keine belastbaren Prävalenzdaten vor. Zwar wird das Krebsrisiko im Vergleich zum Rauchen als geringer eingeschätzt, dennoch bestehen Risiken für Erkrankungen des Mund- und Rachenraums, der Bauchspeicheldrüse sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem enthalten Nikotinbeutel teils höhere Nikotindosen als Zigaretten, was mit einem hohen Abhängigkeitspotenzial verbunden ist.[1]
Im Marketing von E-Zigaretten und Tabakerhitzern wird häufig damit geworben, dass diese Produkte beim Ausstieg aus dem Rauchen helfen können. Die Realität sieht jedoch anders aus: Über 70% der Nutzer konsumieren diese Alternativen zusätzlich zu herkömmlichen Zigaretten, ein Phänomen, das als „Dual-Use“ bezeichnet wird. [2] Das Argument, E-Zigaretten oder Tabakerhitzer seien effektive Hilfsmittel zum Rauchstopp, ist in der wissenschaftlichen Forschung aktuell sehr umstritten. Für starke Raucher, die mehrfach erfolglos versucht haben aufzuhören, kann ein Umstieg auf weniger schädliche Konsumformen (Harm Reduction) eine Option sein. Als Entwöhnungsmethode sind E-Zigaretten & Co, auch wegen des gleichbleibenden Rituals des „Etwas-zum-Mund-Führens“, wenn überhaupt, Mittel zweiter Wahl.
Die Tabakindustrie zeigte sich schon immer erfinderisch – man darf gespannt sein, welche „innovativen“ Produkte künftig noch auf den Markt drängen. Klar ist: In den Nichtraucherseminaren des Zentrums für Tabakentwöhnung erhalten auch Nutzer alternativer Konsumformen gezielte Informationen und Unterstützung für ihren individuellen Ausstieg.
[1] Pisinger, C. & Rasmussen, S. K. B. (2022). Dual use of electronic cigarettes and conventional cigarettes: A review of the evidence and implications for public health. International Journal of Environmental Research and Public Health, 19(21), 13687. https://doi.org/10.3390/ijerph192113687
[2] Deutsches Krebsforschungszentrum & Deutsche Krebshilfe. (2025). Tabakatlas Deutschland 2025. Pabst Science Publishers. https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/Download/Tabakatlas-Deutschland-2025.pdf

Tabakabhängigkeit im BGM: Rauchende Mitarbeitende verstehen